Die Entwicklungs- und Bindungspsychologie zeigt, dass Kinder mit einer grundlegenden Veranlagung zur Empathie, Hilfsbereitschaft und einem Sinn für Fairness zur Welt kommen.
Die Frage ist immer nur, was bringt das Umfeld (Eltern, Geschwister, Verwandtschaft und Gesellschaft) den Kinder in ihrem Leben bei.
Kinder lernen Wohlwollen nicht durch Erklärungen, sondern durch Erfahrung: dadurch, wie mit ihnen gesprochen wird, wenn etwas schiefgeht, und dadurch, wie Erwachsene miteinander umgehen, wenn sie sich beobachtet fühlen. Ein wohlwollender Blick auf ein Kind bedeutet, sein Verhalten von seiner Person zu trennen. "Du hast gerade laut geschrien" statt "Du bist immer so anstrengend". Das ist kein Verzicht auf Grenzen, sondern die Voraussetzung dafür, dass Grenzen überhaupt ankommen: Kinder, die sich grundsätzlich angenommen fühlen, können Kritik an einzelnen Handlungen annehmen, ohne sich als Ganzes infrage gestellt zu sehen.
Ein paar einfache Ansätze für den Alltag:
- Neugier statt Vorwurf: Bei unerwünschtem Verhalten zunächst fragen, was dahintersteckt, statt sofort zu bewerten.
- Fehler als Lernraum: Ein Missgeschick ist eine Gelegenheit zu zeigen, wie man wieder aufsteht.
- Vorbild sein: Kinder übernehmen den Ton, den sie zu Hause hören, auch den, den sich Erwachsene untereinander gegenüber selbst gönnen.
- Eigene Gefühle ernst nehmen: Wohlwollen gegenüber Kindern schließt ein, ihre Wut, Trauer oder Angst nicht kleinzureden, sondern zu benennen und zu begleiten.